Freitag, 18. November 2011

Wenn die Kobra den Sonnengruß versucht

Was tut Frau um Entspannung zu suchen, sportlich zu sein und gleichzeitig gelenkiger zu werden?
Riiiichtig, sie besucht einen Yogakurs.

Auf Anraten meiner Mutter, welche aus unerklärbaren Gründen der Überzeugung ist, ICH müsste entspannter und gelassener werden, habe ich mich also vorbildlich beim Yogakurs an der VHS angemeldet. Ein wunderbares Erlebnis, welches unbedingt geteilt werden muss.

Vorweg habe ich selbstverständlich lange überlegt, wie man fabelhaft aussieht und dennoch nicht den Yogakodex stört. Gut vorbereitet, mittelmäßig angezogen und auch a bissel aufgeregt zog ich raus in die große weite Welt um mir Hund, Kobra und Sonnengruß beibringen zu lassen. Man muss dazu sagen, dass mein Umfeld mir abriet überhaupt zu gehen. Ich wäre einfach nicht der Typ für Yoga. Mein Chef bot sogar eine Wette an, wann ich rausfliege wegen Lachens. Denen musste ich doch das Gegenteil beweisen. 

Meine Euphorie wurde etwas getrübt als ich die VHS gegen 19.50 Uhr (um 20.00 Uhr sollte es losgehen) betrat und ich scheinbar den Streber „wir kommen alle schon eine halbe Stunde vor Kursbeginn“ Kurs erwischt hatte.  Ich wette diese Fraktion, fährt jedes Jahr in den Urlaub um morgens um 06:00 uhr aufzustehen und Handtücher auf die Liegen zu legen. So blieb mir also nichts anderes übrig als gaaaaanz vorne genau neben meiner sehr alternativ angehauchten Yogalehrerin Platz zu nehmen.
Nachdem es 20 Uhr schlug (Goooooooooooooooooooong) konnte der Spaß beginnen.
„Ich begrüße euch …bla …bla …bla …bla…. Warum habt ihr euch für diesen Kurs entschieden?“

Matte No. 1+2 (von mir liebevoll Hanni + Nanni getauft): „Ich bin Krankenschwester und ich möchte was neues ausprobieren“. – Akzeptiert

Matte No. 3, 4,5,6,7: „Wir möchten entspannen.“ – Akzeptiert

Matte No. 8: „Ich möchte sportlicher werden.“ – Gute Antwort

Matte No.9: „Meine Freundin möchte, dass ich mitkomme!“ – (Deckname Horst): Lieber Horst, sollte mein Freund einmal so vor mir kuschen und mit mir einen Yogakurs besuchen, würde ich ihn spätestens dann zur Adoption freigeben. Was für ein Mädchen!

Irgendwann  war ich dann auch an der Reihe irgend etwas gescheites von mir zu geben. Kurzzeitig hatte ich tatsächlich überlegt zu sagen „ich hab gehört, man wird dann irre gelenkig beim Sex“ aber in der scheinbar spaßlosen Runde, schien mir das etwas fehl am Platz. Da ich die traute Langeweilige nicht stören wollte, gab ich auch ein „Ich möchte entspannen“ zum Besten. Akzeptiert, dann konnte es losgehen.

Ich war sogar leicht euphorisch und freute mich auf medium anstregende Übungen mit hohen Erfolg und Entspannung pur. Da wir aber erstmal mit gefühlten 15 Minuten Ausruhen und Atmen anfingen um die innere Mitte plus das dritte Auge zu finden, fing ich innerlich so langsam an zu kribbeln. Nein, das ist in der Tat kein positives kribbeln. Ich erkläre es mal so: Wenn es bei mir kribbelt, werde ich ungeduldig, mir wird entweder extrem langweilig und ich überdrehe oder mir wird schlecht. Ich weiß, klingt komisch – ist aber leider so. Nein, ich habe kein ADS oder ADHS. Ich hasse es nur einfach doof rumzuliegen, während ich doch schon lange vorher weiß, dass die Suche nach einem 3. Auge überflüssig ist. Würde ja auch etwas doof aussehen, oder? Obwohl manchen würde es sicherlich schmeicheln, ich denke da an die Kandidaten, welche durchgezogene Augenbrauen haben.

So, zurück zum Yoga. Nachdem meine Grundstimmung jetzt schon leicht aggressiv war, kamen die Übungen. Die Übungen…….ja, was soll ich sagen: Fand ich super, ehrlich. Sehr effektiv, cool und gelenkiger wird man definitiv. 
Nur der Kopfstand war nicht so mein Ding, das wollte ich dezent auslassen, nur leider saß ich ja direkt neben Miss Buddha. Sie war also direkt zur Stelle um mir zu helfen. Sehr vorbildliche Lehrerin, nur vergaß sie, dass ich mit meinen 1,77 m definitiv mehr wiege als sie mit max. 1,60 m. Es war also zum Scheitern verurteilt, aber wie heißt es so schön: Wer nicht hören will, muss fühlen. Und was fühlt sich besser an, als ein Knie im Bauch oder Gesicht? Ich bin mir nicht sicher, welches Körperteil ich getroffen hatte, aber danach wollte sie mir nicht mehr helfen.

Nachdem ich alles halbwegs gemeistert hatte, kamen wir zum Ende. Es war wirklich erschütternd: Anstatt fein heim zu gehen, kam Entspannungsmusik (ACDC hätte mir besser gefallen), Räucherstäbchen und wieder Quatsch erzählen. Nochmal Mitte, nochmal Kraft des 3. Auges, Füße anheben ohne Anheben und nicht zu vergessen: Ooooooooooooooomm.

Fazit: Mein Chef hatte nicht ganz Unrecht; mein Freund wird nie an einem Yogakurs teilnehmen und ich kaufe mir lieber eine Ursula Karven DVD. Die sieht nicht nur besser aus, nein, man kann auch zu den Übungen vorspulen.

Auf ein fabelhaftes Wochenende mit viel Entspannung, jede Zelle meines Körpers ist jetzt glücklich:


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